Gemeinsam mehr erreichen – Auftakt
- Sozialberichterstattung
Die Integrierte Sozialplanung (ISP) des Landkreises Mittelsachsen verbindet Daten, Praxiswissen und Beteiligung über Ämtergrenzen hinweg und entwickelt daraus Strategien für soziale Teilhabe vor Ort. Von März bis Oktober stellt eine neue Reihe Aufgaben, Arbeitsweisen und Wirkungen der ISP aus unterschiedlichen Perspektiven dar – kompakt, nachvollziehbar und anhand von Praxisbeispielen.
Inhaltsverzeichnis
Warum Integrierte Sozialplanung?
Der Landkreis erbringt vielfältige soziale Leistungen: von Geldleistungen über Beratung bis zu Angeboten in Kooperation mit Trägern und Kommunen. Der gesetzliche Auftrag (u. a. § 17 SGB I) verlangt, Leistungen zeitgemäß, umfassend, einfach und zügig bereitzustellen, Angebote rechtzeitig verfügbar zu machen und Zuständigkeiten so abzustimmen, dass sich Leistungen wirksam ergänzen. Die ISP adressiert diesen Auftrag, indem Informationen gebündelt, Akteure koordiniert und empirische Befunde in Verwaltungshandeln übersetzt werden.
Bildquelle: Hessbeck Photography
Wie alles begann
Im Jahr 2012 begannen Fachplaner:innen im Geschäftsbereich 2 (Ordnung und Soziales) mit der Zusammenarbeit mit dem Ziel, Daten systematisch zusammenzuführen, um Aufwand zu reduzieren, Entwicklungen gemeinsam besser einzuschätzen und leistungsträgerübergreifende Rückschlüsse zu ermöglichen.
Ende 2014 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit der Hochschule Mittweida geschlossen, die praxisnahe Ausbildung, Fachkräftebindung und Forschung im und mit dem Landkreis stärkt.
Eine Koordinierungsgruppe, bestehend aus Vertreter:innen der Landkreisverwaltung, sozialer Akteure und Kommunalpolitiker:innen, begleitet seit 2016 die Sozialberichterstellung und fungiert inzwischen als Steuerungsgremium der ISP.
2017 bildete sich die Arbeitsgruppe Integrierte Sozialplanung (AG ISP) mit dem Ziel, den 1. Sozialbericht des Landkreises Mittelsachsen praktisch zu nutzen; daraus ging das abteilungsübergreifende Handlungskonzept „Soziale Teilhabe stärken“ hervor.
Vier Prinzipien – ein integrierter Ansatz
Die Integrierte Sozialplanung folgt vier Prinzipien: Wissen erschließen, Informationen teilen, Beteiligung ermöglichen und miteinander gestalten. Diese Leitlinien strukturieren Abläufe, schaffen Transparenz und führen zu nachweisbaren Ergebnissen für Bevölkerung und Einrichtungen im Landkreis.
1) Wissen erschließen
Im Landkreis wurde ein belastbares Monitoring implementiert, das interne und externe Daten seit 2010 systematisch zusammenführt, qualitätsgesichert fortschreibt und um zusätzliche Quellen erweitert. Dadurch verbesserte sich die Datenqualität beispielsweise in der Schuldnerberatung. Zugleich wurden neue Datenschätze erschlossen (z. B. Schuleingangsuntersuchung für den gesamten Landkreis, schulübergreifend aufbereitete Schüler:innenzahlen, Absolvent:innenbefragungen beider Hochschulen für den zweiten Sozialbericht). Die Datenbank Intermonitor umfasst aktuell 1.630.302 Daten und 311 Kennzahlen (Stand: 16.02.2026) und dient als Grundlage für zügige Zuarbeiten an Politik, Verwaltung und Träger. Zugleich ist die Datenbank aber auch eine aktuelle und fundierte Basis für die Untersetzung des Vorberichts zum Kreishaushalt, förderlogische Begründungen sowie für evidenzbasierte Entscheidungen des Landratsamts.
Strukturen werden sichtbar gebündelt
- sieben Sozialregionen (beschlossen durch den Kreistag),
Quelle: Landkreis Mittelsachsen
- sozialpolitische Handlungsfelder für bereichsübergreifende Betrachtungen
Quelle: Landkreis Mittelsachsen
- sowie vier Lebenslagendimensionen
Quelle: Landkreis Mittelsachsen
bilden den Ordnungsrahmen, in dem Entwicklungen in den 53 kreisangehörigen Kommunen im Landkreis Mittelsachsen analysiert und bewertet werden.
Ergänzend liefern Praxisforschungsprojekte mit der Hochschule – fünf Durchgänge mit insgesamt 16 Studierendengruppen und O‑Töne aus Mittelsachsen (u. a. Befragung 55+) – eine kontinuierliche Verzahnung von wissenschaftlicher Perspektive und Alltagserfahrung.
2) Informationen teilen
Gemeinsam mit der Hochschule Mittweida wurde eine moderne Sozialberichterstattung mit Gemeindeprofilen und bisher einem Fokusbericht zum Thema Älterwerden entwickelt. Parallel wurden die Portale www.mittelsachsen‑sozial.de und www.regio.landkreis‑mittelsachsen.de auf- bzw. ausgebaut, um Daten und Inhalte zentral digital zugänglich zu machen.
In Krisensituationen, etwa während der Energiepreiskrise, erfolgte eine zielgruppengerechte Informationsaufbereitung für Verwaltung und Bevölkerung (u. a. in Form von Online‑Formaten). Bei Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange (TöB) werden fachliche Einschätzungen zu einem abgestimmten Votum gebündelt. Perspektivisch ist ein Dashboard vorgesehen, das relevante Daten aus dem Sozialmonitoring weiteren Akteursgruppen schnell und interaktiv zugänglich macht.
3) Beteiligung ermöglichen
Die ISP vernetzt die Abteilungen Soziales, Jugend und Familie, Gesundheitsamt, das Jobcenter und das Referat Bildung; die Zusammenarbeit wird schrittweise auf die Ausländer‑ und Asylbehörde ausgeweitet. Ergänzend werden Beauftragte (z. B. Gleichstellung, Inklusion) einbezogen.
Nach außen kommen wiederkehrende Dialogformate zum Einsatz: Sozialregionalkonferenz Döbeln (2018), Dialog Mittelsachsen Sozial und Fachtag „10 Jahre Mittelsachsen Sozial“ (2025) sowie die regionalen Foren „Gemeinsam fürs Alter“ (April/Mai 2026). Diese Formate erzeugen belastbare Handlungsempfehlungen und sichern über regelmäßige Befragungen die Rückkopplung mit der Praxis.
4) Miteinander gestalten
Aus der kontinuierlichen Zusammenarbeit in der AG ISP sind umsetzungsorientierte Projekte hervorgegangen: Beispiele sind der BuT‑Flyer mehrerer Ämter, die Auswahl von Gemeinden für „Starke Kids in Mittelsachsen“ sowie Begleitforschung zu Verwaltungsprojekten in Kooperation mit der Hochschule. Querschnittsthemen und Zielgruppen mit spezifischen Bedarfen werden systematisch bearbeitet – u. a. durch Beratungsstellenanalyse, das Handlungskonzept „Soziale Teilhabe stärken“, eine seniorenpolitische Strategie und die Umsetzung des Ehrenamtsbudgets seit 2018. Ein jährliches Koordinator:innentreffen, ein gemeinsamer Kalender mit nahezu 100 Fachveranstaltungen und laufende Blogbeiträge unterstützen den Wissensaustausch. Seit 2020 trägt das Stipendienprogramm „Rundum gesund – Ärztin/Arzt werden für Mittelsachsen“ zur Fachkräftesicherung bei.
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Was die Arbeit bewirkt
Die Koordinierungsgruppe ISP stellt sicher, dass Kommunalpolitik, Verwaltungsführung und Träger gesellschaftliche Entwicklungen gemeinsam bewerten und Schwerpunkte setzen. Das Vorgehen findet auch überregionale Beachtung – u. a. durch Mitarbeit im Beirat Sächsischer Sozialbericht, den ALVI‑Award und den fachlichen Austausch mit Kolleg:innen in Sachsen und darüber hinaus. Das geteilte Wissen fördert Vertrauen und erhöht zugleich die Sichtbarkeit von Wirkungen für die Bevölkerung.
Ausblick auf die kommenden Beiträge der Themenreihe
Die hier begonnene Themenreihe vertieft fünf Schwerpunkte und zeigt jeweils, welche konkreten Konsequenzen sich für Mittelsachsen ergeben: Nach diesem Blogbeitrag zur Bedeutung und dem Mehrwert integrierter Sozialplanung, folgt ein Rückblick auf die letzten zehn Jahre, der zentrale Ergebnisse und sichtbare Wirkungen zusammenführt und Lerngewinne aufzeigt. Ein weiterer Beitrag widmet sich der alltäglichen Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, freien Trägern, Kommunen und Zivilgesellschaft und macht anhand typischer Abläufe nachvollziehbar, wie aus Hinweisen Maßnahmen werden. Anschließend werden Herausforderungen und Entwicklungsziele der ISP transparent benannt – etwa bei Datenschnittstellen, Ressourcen oder rechtlichen Rahmenbedingungen – und die nächsten Schritte skizziert. Den Abschluss bildet der Beitrag der ISP zu sozialer Teilhabe, der zeigt, wie Monitoring, Beteiligung und Koordination Zugänge zu Leistungen erleichtern, Angebote bedarfsgerecht ausrichten und Chancengerechtigkeit stärken.
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