Seniorenforen im Landkreis Mittelsachsen „Gemeinsam fürs Alter“
- Älterwerden in Mittelsachsen, Demografie, Sozialberichterstattung
Der demografische Wandel ist längst Realität, auch im Landkreis Mittelsachsen. Bereits der Fokusbericht 2022 zeigt deutlich: Die Bevölkerung wird zunehmend älter, während die Gesamtbevölkerungszahl perspektivisch zurückgeht. Diese Entwicklung stellt Kommunen, soziale Träger und die Gesellschaft insgesamt vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnet sie die Chance, das Älterwerden aktiv zu gestalten.
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Quelle: Canva
Der Landkreis Mittelsachsen reagiert darauf vorausschauend: Mit der Entwicklung einer Seniorenpolitischen Strategie soll sichergestellt werden, dass auch künftig in allen Sozialregionen des Landkreises ein gutes, selbstbestimmtes Leben im Alter möglich ist.
„Der demografische Wandel ist keine Entwicklung der Zukunft, sondern bereits heute in allen Teilen unseres Landkreises spürbar. Umso wichtiger ist es, frühzeitig die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ältere Menschen auch künftig selbstbestimmt und gut versorgt in ihrem gewohnten Lebensumfeld leben können. Die Seniorenpolitische Strategie soll dafür eine verlässliche Grundlage bieten.“
Jörg Höllmüller, 2. Beigeordneter des Landkreises Mittelsachsen
Beteiligung als zentraler Baustein
Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der Landkreis bewusst auf Beteiligung. Neben der Einberufung eines Seniorenbeirates 2024 und der im Frühsommer 2025 durchgeführten Befragung älterer und älter werdender Menschen, sind die Seniorenforen als regionales und dialogorientiertes Veranstaltungsformat ein weiterer zentraler Baustein im Planungsprozess.
Planungskreislauf Seniorenpolitische Strategie Landkreis Mittelsachsen
Quelle: Landkreis Mittelsachsen, Integrierte Sozialplanung; Hochschule Mittweida
Im April und Mai 2026 fanden insgesamt sieben Seniorenforen statt – jeweils in einer der Sozialregionen Mittelsachsens. Organisiert wurden sie gemeinsam von Sylvia Kempe, der Koordinatorin der Integrierten Sozialplanung des Landkreises Mittelsachsen sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Projekts „Mittelsachsen Sozial“ Tabea Esche und Friederike Haubold. Auch die Projektleiterin Prof.in Dr.in Isolde Heintze, die mittelsächsische Pflegekoordinatorin, Bianka Künzel und Fachplaner:innen der Landkreisverwaltung wirkten aktiv an der Durchführung der Veranstaltungen mit. Der Auftakt erfolgte im Landratsamt in Mittweida, den Abschluss bildete die Veranstaltung im Rathaus in Burgstädt.
Quelle: Landkreis Mittelsachsen; Hochschule Mittweida
Eingeladen waren:
- Bürgermeister:innen und kommunalpolitisch Verantwortliche
- soziale Akteur:innen im Haupt- und Ehrenamt.
- sowie interessierte Bürger:innen.
Ziel war es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam an der zukünftigen Ausrichtung der Seniorenpolitik im Landkreis zu arbeiten.
Austausch, der Wirkung zeigt
Im Mittelpunkt der Seniorenforen stand der direkte Austausch. An Thementischen wurden Erfahrungen, Bedarfe und Ideen diskutiert. Dabei ging es nicht nur um allgemeine Fragestellungen, sondern auch darum, regionalspezifische Unterschiede sichtbar zu machen.
Die Ergebnisse zeigen: Die Lebensrealitäten im Landkreis sind vielfältig. In einigen Regionen standen Themen wie Altersarmut, fehlende Infrastruktur oder der Rückgang von Versorgungsangeboten besonders im Fokus. In anderen wurde vor allem der gemeinschaftliche Zusammenhalt als wichtige Ressource hervorgehoben.
Gleichzeitig gab es eine Reihe von Themen, die nahezu überall eine zentrale Rolle spielten:
- Engagement und Ehrenamt: Wie können mehr Menschen für freiwilliges Engagement gewonnen werden?
- Mobilität: Welche flexiblen Lösungen ermöglichen es älteren Menschen, mobil zu bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen?
- Soziale Teilhabe: Wie lässt sich Begegnung fördern, auch um Einsamkeit im Alter zu vermeiden?
- Generationenübergreifend planen: Wie können Orte geschaffen werden, die an Jung und Alt adressieren?
- Barrierefreiheit: Wie können öffentliche Räume und Angebote besser zugänglich gestaltet werden?
- Information und Öffentlichkeitsarbeit: Wie erfahren ältere Menschen von bestehenden Angeboten?
- Selbstbestimmtes Leben im Alter: Welche Rahmenbedingungen unterstützen ein möglichst langes Leben in den eigenen vier Wänden?
- Rolle der Kommunen: Welche Verantwortung tragen Städte und Gemeinden bei der Gestaltung guter Lebensbedingungen im Alter?
In einer Wortwolke wurde die Vielfalt der Themen, die die Teilnehmenden der Seniorenforen zur Lebensphase Alter bewegen, deutlich:
Themenfelder und Anliegen der Teilnehmenden der Seniorenforen
Quelle: Landkreis Mittelsachsen; Hochschule Mittweida
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Wissenschaftliche Grundlage trifft Praxiserfahrung
Einen wichtigen fachlichen Rahmen für die Diskussionen bildeten die Ergebnisse der Befragung der Generationen 55+ im Landkreis Mittelsachsen (2025), durchgeführt von der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida.
Diese wurden in den Seniorenforen vorgestellt und gezielt mit den Erfahrungen der Teilnehmenden verknüpft. So entstand ein fundiertes Gesamtbild:
- wissenschaftlich erhobene Daten auf der einen Seite,
- konkrete Alltagsperspektiven aus den Regionen auf der anderen.
Ergänzend stieß auch eine Ausstellung von Good-Practice-Beispielen rund um das Thema Älterwerden auf großes Interesse. Sie zeigte, welche Lösungen bereits heute funktionieren und als Vorbild für andere Regionen dienen können.
Good-Practice in Augustusburg – Techniksprechstunde für Senior:innen
Quelle: https://www.aufweiterflur.org
Von der Beteiligung zur Strategie
Die Seniorenforen sind eingebettet in einen langfristigen Planungsprozess, in dem die gesammelten Erkenntnisse systematisch ausgewertet und weiterentwickelt werden.
Alle Ergebnisse, aus den Foren, der Befragung und weiteren Analysen, fließen in die Erarbeitung der Seniorenpolitischen Strategie des Landkreises Mittelsachsen ein. Ziel ist es, konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten und Prioritäten für die kommenden Jahre zu setzen.
Die Fertigstellung der Strategie ist für den Herbst vorgesehen, anschließend soll sie im Kreistag beschlossen werden.
Gemeinsam für ein gutes Älterwerden
Mit den Seniorenforen hat der Landkreis Mittelsachsen ein deutliches Zeichen gesetzt: Gute Sozialplanung gelingt nur im Dialog mit den Menschen vor Ort.
Die aktive Beteiligung ermöglicht nicht nur passgenaue Lösungen, sondern stärkt auch das Bewusstsein für gemeinsame Verantwortung. Verwaltung, Wissenschaft, Politik und Bürgerschaft arbeiten dabei Hand in Hand.
Blick nach vorn
Das übergeordnete Ziel ist klar: Mittelsachsen soll ein lebenswerter Raum für alle Altersgruppen bleiben, heute und in Zukunft.
Sylvia Kempe, die Koordinatorin der Integrierten Sozialplanung im Landkreis machte deutlich:
„Die seniorenpolitische Strategie wird hierfür einen wichtigen Rahmen bilden. Sie verbindet nachhaltige Planung mit konkreten Maßnahmen und orientiert sich konsequent an den Bedürfnissen der älteren und älter werdenden Generationen.“
Leitfrage zur Vorstellungsrunde der Seniorenforen
Quelle: Landkreis Mittelsachsen; Hochschule Mittweida
Denn eines hat der Beteiligungsprozess eindrucksvoll gezeigt: Die Gestaltung einer alternden Gesellschaft gelingt am besten gemeinsam mit den Menschen, um die es geht.
Quelle: Hessbeck Photography
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