Internationaler Tag der Jugend: Warum Beteiligung in Mittelsachsen mehr ist als ein Auftrag
- Demografie, Kinder, Jugendliche und Familien, Sozialberichterstattung
Am 12. August rückt weltweit eine Bevölkerungsgruppe in den Mittelpunkt, deren Perspektiven für die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften zentral sind: junge Menschen. Der Internationale Tag der Jugend wurde 1999 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um auf die Anliegen junger Menschen aufmerksam zu machen und ihre politische sowie gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.
Inhaltsverzeichnis
Die Entwicklung von Sozialmonitoring und Sozialberichterstattung basiert auf einer seit 2014 bestehenden Kooperation zwischen der Hochschule Mittweida und dem Landkreis Mittelsachsen. Ziel ist die Verbindung wissenschaftlicher Expertise mit den Anforderungen kommunaler Sozialplanung. Aus der Zusammenarbeit entstanden Sozialberichte, ein Fokusbericht, Beteiligungsformate sowie praxisnahe Lern- und Forschungsmöglichkeiten für Studierende. Gleichzeitig profitiert die Landkreisverwaltung von wissenschaftlich fundierten Grundlagen für ihre Planungs- und Entscheidungsprozesse.
Globale Herausforderungen, lokale Antworten
Junge Menschen wachsen heute in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen auf: Klimawandel, bewaffnete Konflikte, soziale Ausgrenzung, Sorgen um das psychische Wohlergehen, ungleiche digitale Vernetzung, Hindernisse beim Zugang zu menschenwürdiger Arbeit und begrenzte Bildungschancen prägen vielerorts ihre Lebensbedingungen. Diese Herausforderungen bestehen nicht isoliert nebeneinander, sondern sind miteinander verschränkt. Wer beispielsweise keinen stabilen Zugang zu Bildung, digitalen Angeboten oder sozialen Netzwerken hat, erlebt häufig mehrere Benachteiligungen gleichzeitig.
Gerade deshalb braucht Jugendpolitik mehr als Einzelmaßnahmen. Sie braucht gemeinsame Lösungen, solidarisches Handeln und Räume, in denen junge Menschen ihre Erfahrungen, Ideen und Interessen einbringen können. Der Internationale Tag der Jugend erinnert daran, dass Beteiligung nicht nur ein demokratisches Prinzip ist, sondern auch eine Voraussetzung für tragfähige politische und soziale Entscheidungen.
Auch in Sachsen wird das Thema aufgegriffen. In Chemnitz findet ein Tag der Jugend statt. Zudem ist für den 19. September 2026 eine Jugendzukunftskonferenz in der Sächsischen Staatskanzlei geplant. Beide Formate machen deutlich, dass Jugendbeteiligung auf unterschiedlichen Ebenen gedacht und gestaltet werden muss: kommunal, regional und landesweit.
Beteiligung beginnt vor Ort
In Mittelsachsen gibt es 2026 mehrere Anlässe, die inhaltlich an den Internationalen Tag der Jugend anschließen. Am 29. August 2026 findet in Döbeln die Lange Nacht der Jugend statt, organisiert durch den Mittelsächsischen Jugend- und Kulturverein e. V. Auch wenn die Veranstaltung nicht unmittelbar vom Veranstalter auf den Internationalen Tag der Jugend bezogen wird, passt sie inhaltlich gut zu dessen Anliegen: jungen Menschen Räume zu eröffnen, Begegnung zu ermöglichen und Jugendkultur sichtbar zu machen.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die erste Mittelsächsische Jugendkonferenz am 21. November 2026 im Pi-Haus in Freiberg. Eingeladen sind Jugendliche ab 14 Jahren aus dem Landkreis Mittelsachsen, die bereits in Jugendgremien engagiert sind oder sich für Beteiligung interessieren. Vorgesehen sind die Vorstellung der Ergebnisse der Jugendumfrage, Diskussionen über Umsetzungsmöglichkeiten in Jugendgremien sowie Austausch und Vernetzung untereinander. Am Nachmittag ist außerdem eine Diskussionsrunde mit Landrat Sven Krüger geplant. Die Jugendkonferenz verfolgt damit ein zentrales Ziel: Jugendliche sollen Ideen entwickeln können, wie sie durch ihr Engagement dazu beitragen, die Interessen junger Menschen in Politik und Gesellschaft zu vertreten. Informationen und Anmeldung sind ab dem 24. August 2026 über das Beteiligungsportal vorgesehen.
Viele Akteure, ein gemeinsames Anliegen
An der Planung und Durchführung der Mittelsächsischen Jugendkonferenz wirken verschiedene Partner zusammen: das Landratsamt Mittelsachsen mit Jugendhilfeplanung und Koordination des Aktionsplans „Toleranz ist ein Kinderspiel“, der Kreisjugendring Mittelsachsen mit dem Flexiblen Jugendmanagement, die Freiberger Agenda 21 e. V. mit der Fachstelle Aktionsplan „Toleranz ist ein Kinderspiel“ sowie das Kinder- und Jugendhaus der Stadt Freiberg, das Pi-Haus.
Diese Zusammenarbeit zeigt beispielhaft, wie Integrierte Sozialplanung praktisch wird. Akteure aus Kinder- und Jugendhilfe sowie Demokratieförderung arbeiten zusammen, um Jugendlichen aus unterschiedlichen Regionen des Landkreises Mitsprache zu ermöglichen und Beteiligung erlebbar zu machen. Der Bezug zu den Zielstellungen der Integrierten Sozialplanung ist deutlich: soziale Teilhabe stärken, gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und in den Handlungsfeldern „Aufwachsen unterstützen“ sowie „Miteinander wachsen“ wirksam werden.
Sozialpolitische Handlungsfelder
Gerade in Zeiten demografischen und gesellschaftlichen Wandels ist es wichtig, dass junge Menschen lernen, ihre Interessen wahrzunehmen und diese unter Beachtung demokratischer Grundsätze in geeignete Gremien einzubringen. Beteiligung ist damit nicht nur ein Verfahren, sondern auch ein Lern- und Erfahrungsraum für Demokratie.
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Jugendbeteiligung als gesetzlicher und planerischer Auftrag
Die Beteiligung junger Menschen ist nicht allein eine freiwillige Aufgabe. § 43a der Sächsischen Landkreisordnung regelt die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen durch den Landkreis, wenn Planungen und Vorhaben deren Interessen berühren. Im Landkreis Mittelsachsen wurde dafür ein Kinder- und Jugendcheck entwickelt. Seit Beginn der laufenden Wahlperiode im Jahr 2024 werden alle Vorlagen, die dem Kreistag und seinen Ausschüssen zur Beschlussfassung vorgelegt werden, vorab daraufhin geprüft, ob und in welcher Weise Interessen von Kindern und Jugendlichen betroffen sind.
Fällt die Prüfung positiv aus, müssen Kinder und Jugendliche in geeigneter Weise beteiligt werden. Die entsprechenden Vorlagen durchlaufen außerdem den Jugendhilfeausschuss. Dieser kann bei Bedarf bestimmte Personengruppen zur Sitzung einladen und deren Perspektiven einbeziehen. So wird Beteiligung strukturell im Verwaltungshandeln verankert und nicht erst nachträglich ergänzt.
Wie viele junge Menschen leben in Mittelsachsen?
Ein Blick auf die Daten zeigt, welche Bedeutung junge Menschen für den Landkreis haben. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 lebten in Mittelsachsen 34.187 Kinder unter 14 Jahren, 11.421 Jugendliche im Alter von 14 bis unter 18 Jahren und 22.225 junge Volljährige zwischen 18 und unter 27 Jahren. Insgesamt waren damit 67.833 Einwohner:innen unter 27 Jahre alt.
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, eigene Darstellung
Junge Menschen machten somit etwa 23 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landkreises aus. Jugendliche im Sinne des SGB VIII, also Menschen im Alter von 14 bis unter 18 Jahren, stellten rund 4 Prozent der Bevölkerung. Diese Zahlen machen deutlich: Jugendbeteiligung betrifft keinen Randbereich. Sie betrifft einen relevanten Teil der Bevölkerung und damit auch zentrale Fragen der Zukunftsgestaltung im Landkreis.
Bildquelle: Pixabay
Jugendhilfeplanung schafft Grundlage für gute Angebote
Damit Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer Entwicklung unterstützt werden können, braucht es eine verlässliche soziale Infrastruktur. Mit der regelmäßigen Jugendhilfeplanung sorgt der Landkreis dafür, dass Interessen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen strukturell und ausreichend Berücksichtigung finden. Am 26. Mai 2026 beschloss der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Mittelsachsen den Jugendhilfeplan, Teilfachplan §§ 11 bis 14, 16 SGB VIII für den Zeitraum 2027 bis 2032.
Der Teilfachplan umfasst Angebote der offenen Jugendarbeit, der Jugendverbandsarbeit, der Jugendsozialarbeit, des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes sowie der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie. Er bildet die planerische Grundlage für die Förderung freier Träger der Jugendhilfe, die in diesen Leistungsbereichen eine vielfältige Angebotsstruktur in Mittelsachsen vorhalten.
Zu den geförderten Angeboten der offenen Jugendarbeit zählen beispielsweise hauptamtlich geführte Jugendhäuser, Angebote der mobilen Jugendarbeit und selbstverwaltete Jugendclubs. Sie sollen junge Menschen in ihrer Entwicklung unterstützen, sie zur Selbstbestimmung befähigen und gesellschaftliche Mitverantwortung sowie soziales Engagement anregen und fördern.
Bildquelle: Pixabay
Mit jungen Menschen planen, nicht nur für sie
Der Internationale Tag der Jugend erinnert daran, dass junge Menschen nicht nur Zielgruppe sozialpolitischer Maßnahmen sind. Sie sind Expert:innen ihrer eigenen Lebenswelt. Ihre Erfahrungen helfen, Bedarfe besser zu verstehen, Angebote passgenauer zu gestalten und demokratische Prozesse lebendig zu halten.
Für den Landkreis Mittelsachsen zeigt sich: Beteiligung muss erreichbar, verständlich und wirksam sein. Veranstaltungen wie die Jugendumfrage 2025, die Mittelsächsische Jugendkonferenz, Strukturen wie der Kinder- und Jugendcheck und Planungsinstrumente wie der Jugendhilfeplan tragen dazu bei, junge Perspektiven systematisch einzubeziehen. So entstehen nicht nur bessere Entscheidungsgrundlagen, sondern auch Räume, in denen junge Menschen erleben können, dass ihre Stimme zählt.
Gerade darin liegt die Chance des Internationalen Tags der Jugend für die kommunale Sozialplanung: Globale Herausforderungen werden vor Ort konkret. Und gemeinsame Bestrebungen werden dort wirksam, wo junge Menschen beteiligt werden, Verantwortung übernehmen und Zukunft mitgestalten können.
Bildquelle: Pixabay
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