Wie Migration Menschen in Mittelsachsen verbindet – eine neue Wanderausstellung sucht Ihre Geschichte
- Regionale Projekte und Praxisbeispiele, Sozialberichterstattung, Soziale Teilhabe und Engagement
19.181 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit leben 2025 im Landkreis Mittelsachsen – darunter 5.022 EU-Bürger:innen. 10.821 von ihnen sind männlich, 8.339 weiblich; für 21 Personen ist das Geschlecht als divers bzw. unbekannt erfasst (Quelle: Ausländer- und Asylbehörde Landkreis Mittelsachsen). Sie prägen den Landkreis – als Nachbar:innen, Kolleg:innen, Freund:innen oder Vereinsmitglieder. Eine neue Wanderausstellung macht diese Geschichten sichtbar: nicht mit Statistiken, sondern mit Gesichtern.
Inhaltsverzeichnis
Was steckt hinter dem Projekt?
Unter dem Titel „Zwei Leben – ein Weg in Mittelsachsen“ arbeitet eine Gruppe engagierter Menschen aus dem Landkreis an einer Ausstellung, die persönliche Begegnungen in den Mittelpunkt stellt. Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, Migration aus einer anderen Perspektive zu beleuchten.
„Aus unserer Sicht wird die Migrationsdebatte häufig zu negativ diskutiert“, erklären die Initiator:innen. „Wichtig ist es uns zu zeigen, welche positiven Folgen Migration haben kann, wo wir alle Verknüpfungen haben, von Migration profitieren oder liebe Menschen gewonnen haben.“
Das Projekt knüpft an frühere Erfahrungen an: Bereits vor einigen Jahren realisierten Mitglieder der Gruppe gemeinsam mit dem ePi-zentrum e.V. das Projekt „Bunte Weisheiten aus Freiberg“. Mit „Zwei Leben – ein Weg in Mittelsachsen“ soll dieser Ansatz nun auf den gesamten Landkreis ausgeweitet werden. Beteiligt sind unter anderem Akteur:innen des Landkreises Mittelsachsen, Prof. Dr. Simon Moses Schleimer von der Hochschule Mittweida sowie die Freiberger Agenda 21.
Worum geht es in der Ausstellung?
Für die Ausstellung werden 15 Paare gesucht, bei denen eine Person internationale Wurzeln hat und die andere aus Deutschland stammt. Dabei spielt die Art der Beziehung keine Rolle: Ob Freundschaft, Partnerschaft, Nachbarschaft oder eine Verbindung im Berufsalltag – entscheidend ist die gemeinsame Geschichte.
Quelle: Hessbeck Photography
Die Teilnehmenden werden so fotografiert, dass jeweils eine Gesichtshälfte beider Personen zu einem gemeinsamen Porträt zusammengefügt wird. Dieses gestalterische Prinzip spiegelt wider, was die Ausstellung inhaltlich zeigen möchte: das Miteinander in den Vordergrund zu stellen. Ergänzt werden die Bilder durch kurze biografische Einblicke: Woher kommen die beiden Menschen? Wie haben sie sich kennengelernt und welche Rolle spielt Mittelsachsen in ihrem Alltag?
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Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht im Alltag
Die Ausstellung greift damit eine Perspektive auf, die in der sozialwissenschaftlichen Forschung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Migrationsforscherin Prof.in Dr.in Naika Foroutan beschreibt moderne Einwanderungsgesellschaften als Räume, in denen nicht mehr die Frage im Vordergrund steht, ob eine Gesellschaft von Migration geprägt ist, sondern wie das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft gestaltet wird. Im Fokus stehen Fragen von Zugehörigkeit, Anerkennung und gleichberechtigter Teilhabe.
Genau diesen Gedanken macht die Ausstellung greifbar: Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht abstrakt, sondern dort, wo Menschen miteinander in Kontakt kommen. Die gezeigten Porträts sollen von Vertrauen, gemeinsamen Erfahrungen und der Bereitschaft, aufeinander zuzugehen erzählen. Sie laden dazu ein, den Blick von vermeintlichen Unterschieden auf das zu richten, was Menschen verbindet.
Ländlichen Raum mitdenken
Ein besonderes Anliegen der Organisator:innen ist die geografische Breite der Ausstellung. Während internationale Vielfalt an den beiden Hochschulstandorten Freiberg und Mittweida besonders sichtbar ist, bleibt sie in kleineren Kommunen des Landkreises oft weniger wahrnehmbar.
„Gleichzeitig passiert in den größeren Städten oft mehr. Deshalb finden wir es wichtig, den ländlichen Raum mitzudenken – sowohl bei den Teilnehmenden als auch bei den Ausstellungsorten."
Christian Mädler, ePi-zentrum e.V.
Erste Porträts wurden bereits aufgenommen – unter anderem in Mulda, Brand-Erbisdorf und Freiberg. Ab September 2026 soll die Ausstellung im Rahmen der Interkulturellen Wochen durch verschiedene Orte im Landkreis wandern.
Jetzt mitmachen!
Für die Ausstellung werden noch weitere Teilnehmende gesucht – insbesondere aus kleineren Städten und Dörfern des Landkreises Mittelsachsen. Wer Teil des Projekts werden möchte oder jemanden kennt, der gut dazu passen würde, kann sich direkt melden.
Kontakt:
Quelle: Foroutan, Naika (2021): Die postmigrantische Gesellschaft. Ein Versprechen der pluralen Demokratie. transcript Verlag, Bielefeld.
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